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Lutz von Nordheim

Wasserbetriebene Gewerke

Wassergetriebene GewerkeDie unseren Ort durchfließenden Gewässer wurden bereits im 14. Jahrhundert für den Antrieb von Hämmern und Mühlen genutzt. Vom Lubenbachtal bis zum Benshäuser Grund, am Heinrichsbach und am Bierbach/Dörnbacher Wasser siedelten sich Gewerke an, deren Wasserräder direkt vom Bachlauf, meist jedoch von abgezweigten Gewerksgräben angetrieben wurden. Zahlreiche Hämmer, als Eisen-, Blech-, Draht-, Poch-, Rohr-, Zain- und Stahlhammer sind heute nachweisbar. Darüber hinaus gab es Rohrbohr- und Rohrschleifmühlen. Brach liegende und unrentabel arbeitende Gewerke wurden mehrfach umgenutzt. An solchen Standorten entstanden dann im 19. Jahrhundert z.B. ein Eisen- und Blechwalzwerk, ein Stahlraffinerierwerk bzw. eine Eisengießerei.

In den Eisen- und Stahlhämmern wurden die jeweiligen Rohmaterialien durch Hammermeister und -schmiede erschmolzen bzw. ausgeschmiedet, während die Bläser ihre Arbeit an den Blasebälgen verrichteten. In den Zainhämmern streckte man das Roheisen zu Stabeisen oder zu Rohrschienen (Platinen). Daraus wurden in den Büchsen- oder Rohrschmieden, später Rohrhämmern, Rohläufe geschmiedet und verschweißt. Diese sind in der Folge dann in Rauh- oder Glattbohrmühlen sowie in Rohrschleif- oder Rohrpoliermühlen weiter bearbeitet worden. 

Nicht selten waren mehrere technologisch zusammengehörige Gewerke im Eigentum einheimischer Hammermeister.

Obwohl zahlreiche körperlich schwere Tätigkeiten im Zuge der technischen Entwicklung erleichtert werden konnten, blieben diese weiterhin äußerst kraftaufwändig und auch gefährlich.

Neben den der Eisenverarbeitung dienenden, existierten hier natürlich auch andere Gewerke, wie Loh-, Mahl-, Öl-, Pulver- und Schneidemühlen.

Für die beiden Ortsteile sind gegenwärtig 49 Gewerks-Standorte belegbar.

Noch heute erinnern im Ortsteil Zella Straßen- und Flurbezeichnungen, wie Hammerweg, Blechhammer, Gießereiweg, Hollandsmühle, Rohrhümerle, Stahlhammerwiese und in Mehlis das Hammerrödchen, die Obermühle, die Mühlstraße und die Mühlwiese an einstmalige wasserbetriebene Gewerke. 

 

Letzte Bearbeitung: 03.10.2015, 11:21
  
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Letzte Änderung:
14.11.2018, 15:06