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Lutz von Nordheim

Zella-Mehliser Familiennamen und "aufgehangene" Namen

Um eine ausreichende Identifizierbarkeit der Menschen zu gewährleisten, war es in Deutschland ab dem 12. Jahrhundert notwendig geworden, zusätzlich zu dem individuellen Vornamen nun auch einen Namen für die ganze Familie zu vergeben. Hierfür wurden beispielsweise die Berufe, die Herkunft, persönliche Eigenschaften oder die Namen der Väter herangezogen. Dieser Prozess war erst etwa um 1600 abgeschlossen.

Ab der Mitte des 17. Jahrhunderts ist in unserer Region bei der Kindstaufe schließlich auch die Vergabe von zwei, später gar mehreren Vornamen festzustellen.

Die in unserer Kleinstadt mit Ende der 1980er Jahre noch 17.000, heute nicht einmal mehr 11.000 Einwohnern, am meisten auftretenden angestammten Familiennamen sind Anschütz, Ansorg, Bader, Barthelmes, Büchel, Büchner, Haseney, Helfricht, Hengelhaupt, Karl, Kirchner, Kührt, Langenhan, Möller, Oehring, Reuß, Schlütter, Triebel und Wahl.

Sehr wahrscheinlich erst im 18. Jahrhundert wurden hier Einwohner - vor allem solche mit übereinstimmenden Familiennamen - zusätzlich mit sogenannten "aufgehangenen Namen" charakterisiert. Das heißt, dass man aus dem Alltag heraus z.B. deren berufliche Tätigkeit, körperliche wie geistige Vorzüge bzw. Defizite, charakterliche Eigenschaften, Gewohnheiten, Körperbau, Haarfarbe, Herkunft, besondere Merkmale oder Vorkommnisse zu Anlass nahm und ihnen daraus begründet einen zusätzlichen Familiennamen "aufgehangen" hat. Einzelne der genannten Charakteristika wurden oft auch untereinander oder mit dem Vornamen eines der Vorfahren kombiniert. So entstanden quasi Namen von A wie "Aaise-Wahl" bis Z wie "Zwärrn". Diese wurden später über Generationen hinweg auch auf deren Nachkommen übertragen. Bei den alteingesessenen Familien werden diese Anhängsel auch heute noch geführt. Damit weiß jeder Eingeweihte, um welche Familie des jeweiligen Namens es sich handelt. Die meisten Einwohner konnten und können mit damit recht gut leben - andere hingegen wohl weniger ... .

E KötzDie wohl erste Aufzeichnung von einigen dieser Namen des Ortsteiles Mehlis ist 1933 mit einer mundartlichen Schilderung von Fritz Büchner bekannt geworden. Eine umfänglichere Zusammenfassung wurde schließlich von Gustav Barthelmes unter der Überschrift "Ae`ganz Kötz vohl aufgehangene Mehlser Nüme" (Ein ganzer Rückentragekorb voll mit aufgehängten Mehliser Namen) unter der Mitarbeit von Emma Aschenbach verfasst (Allerdings wurde hier fälschlicherweise ein Gustav Blum als Autor angegeben). 1980/82 ist diese Abhandlung durch Malermeister Otto Kafsack in Schriftform gebracht und illustriert worden.

Für Zella verarbeitete im Jahr 1935 erstmals Willy Barthelmes eine Reihe von "aufgehangenen" Namen in einem seiner zahlreichen Gedichte. Eine umfassende Übersicht der Namen dieses Ortsteils stellte ca. 2005 schließlich Walter Mai in Gedichtform zusammen.

Für unsere Doppelstadt konnten bis heute über 600 solcher aufgehangenen Namen erfasst werden.

  
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Letzte Änderung:
14.11.2018, 15:06